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Auswertung der Kriminalitätslage des Jahres 2016 in den Landkreisen Bautzen und Görlitz

Verantwortlich: Thomas Knaup (tk)
Stand: 06.04.2017, 07:00 Uhr

 

Auswertung der Kriminalitätslage des Jahres 2016 in den Landkreisen Bautzen und Görlitz

 

Kriminalitätsbelastung auf niedrigstem Stand seit zehn Jahren

Die Kriminalitätsbelastung ist in den Landkreisen Bautzen und Görlitz weiter zurückgegangen. Das weist die jüngst vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik des Freistaates Sachsen für das Jahr 2016 aus. Die Fallzahlen haben in der Oberlausitz den tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre erreicht. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist ein Rückgang der Straftaten um knapp 17 Prozent zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf mehr als 60 Prozent - ein herausragender Wert.


Dazu Polizeipräsident Conny Stiehl:

„Wir sehen hier das Ergebnis unserer jahrelangen, intensiven Ermittlungsarbeit. Ein Schlüssel des Erfolges war, ist und bleibt die enge und professionelle Zusammenarbeit mit der polnischen und tschechischen Polizei. Aber: Die Situation ist für uns kein Grund, sich auszuruhen - ganz im Gegenteil.“


Die Kriminalitätsbelastung in der Oberlausitz entwickelte sich im vergangenen Jahr entgegen dem allgemeinen Landestrend, bei dem ein Anstieg zu verzeichnen war. Auch bei Wohnungseinbrüchen waren - im Gegensatz zu den großen Städten im Freistaat - in den beiden östlichsten Landkreisen vergleichsweise wenige Fälle (2016: 668 Fälle, 2015: 809 Fälle, 2014: 728 Fälle) zu verzeichnen.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für die Landkreise Bautzen und Görlitz insgesamt 36.655 Fälle aus (2015: 38.979 Fälle, 2014: 41.027 Fälle), bei denen den Ermittlungsbehörden Straftaten bekannt wurden und die Ermittlungen im Verlauf des Berichtzeitraumes abgeschlossen wurden. Davon entfielen 2.542 Fälle (2015: 1.572 Fälle, 2014: 1.349 Fälle) auf Verstöße gegen das Asyl-, Aufenthalts- und Freizügigkeitsgesetz, die in der überwiegenden Mehrzahl auf Feststellungen der Bundespolizei zurückzuführen waren. Zu diesen Straftaten gibt es keine Geschädigten im klassischen Sinne, weshalb hierdurch das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung kaum beeinträchtigt wird.


Wo geschahen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Vergleich zur Anzahl der Bevölkerung am häufigsten Straftaten?

Zu dieser Frage gibt die sogenannte Häufigkeitsziffer (HKZ) Auskunft. Sie beschreibt als fiktive Größe die Anzahl der Straftaten hochgerechnet auf je 100.000 Einwohner einer Stadt oder Gemeinde.

Demnach geschahen im Vergleich zur Größe der örtlichen Bevölkerung im vergangenen Jahr besonders häufig Straftaten, zumeist Eigentumsdelikte, in Görlitz und Zittau sowie Horka und Weißwasser - alles Städte und Gemeinden im grenznahen Raum zur polnischen Republik. Die geringste Kriminalitätsbelastung war anhand der Häufigkeitsziffer in den Gemeinden Crostwitz, Räckelwitz, Lichtenberg und Puschwitz zu verzeichnen, die allesamt in der ländlich geprägten Region des Landkreises Bautzen zu verorten sind.


Der Schwerpunkt der polizeilichen Lage liegt unverändert im Landkreis Görlitz

Schwerpunkt der polizeilichen Lage im Allgemeinen bleibt der Landkreis Görlitz, insbesondere die Städte Görlitz und Zittau sowie der grenznahe Raum entlang der Neiße. Daher wird entlang der gesamten sächsisch-polnischen Grenze auch in Zukunft das Hauptaugenmerk der polizeilichen Arbeit liegen.


Mehr als drei von fünf Straftaten aufgeklärt

Die Polizei hat in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Jahr 2016 mehr als 60 Prozent der bekannt gewordenen Straftaten aufgeklärt. Dieser Wert liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt von 55,8 Prozent.


Dazu Polizeipräsident Conny Stiehl:

„Das Ergebnis ist bemerkenswert. Der Erfolg gebührt unseren Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei - aber im besonderen Maße auch der Bevölkerung. Dank schneller und genauer Zeugenhinweise gelingt es der Polizei, Tatverdächtige auf frischer Tat zu stellen und Straftaten aufzuklären. Bleiben diese wertvollen Hinweise jedoch aus, suchen wir oftmals sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen.“


Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 22.260 Fälle aufgeklärt (2015: 22.557 Fälle, 2014: 23.844 Fälle), zu denen 15.226 Tatverdächtige ermittelt wurden (2015: 14.671 Tatverdächtige, 2014: 14.581 Tatverdächtige).

4.948 Tatverdächtige waren nicht-deutscher Nationalität, zumeist polnische oder tschechische Staatsbürger (2015: 3.873 Tatverdächtige, 2014: 3.244 Tatverdächtige). 875 Tatverdächtige waren Zugewanderte, die den Status eines Asylbewerbers, Schutz- oder Asylberechtigten, einer geduldeten Person oder eines Kontingentflüchtlings innehatten (2015: 650 Tatverdächtige, 2014: 323 Tatverdächtige). Unter ihnen befanden sich insgesamt 63 Mehrfach- und Intensivtäter.


Fahrraddiebstähle um etwa ein Fünftel rückläufig

Diebstahlsdelikte machen mit etwa 37 Prozent (2016: 13.536 Fälle, 2015: 16.720 Fälle, 2014:  17.170 Fälle) unverändert den Löwenanteil der Kriminalitätsbelastung in den Landkreisen Bautzen und Görlitz aus. Allerdings war auch hier gegenüber dem Vorjahr ein spürbarer Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen.

Jedoch fällt der unverändert hohe Anteil der Fälle ins Auge, die aus unterschiedlichsten Gründen der sogenannten „Beschaffungskriminalität“ zugerechnet werden können. Gemeint sind hierbei Sachverhalte, bei denen Tatverdächtige zur Sicherstellung des Lebensunterhaltes, einer Drogen- oder Alkoholsucht oder aus anderen Gründen Straftaten begehen.

Hierzu zählt häufig auch - wenngleich im vergangenen Jahr signifikant um mehr als 500 Fälle rückläufig - der Diebstahl von Fahrrädern (2016: 1.968 Fälle, 2015: 2.537 Fälle, 2014: 2.509 Fälle). Etwa jeder siebte Diebstahl in den Landkreisen Bautzen und Görlitz war im Jahr 2016 eine solche Straftat. Örtliche Schwerpunkte der Täter waren unverändert die Stadtgebiete von Görlitz, Hoyerswerda, Zittau, Weißwasser und Bautzen.


Dazu Polizeipräsident Conny Stiehl:

„Der Diebstahl von Fahrrädern beschäftigt die Polizei tagtäglich. Nicht selten wird es den Tätern aber zu leicht gemacht. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, sein eigenes Hab und Gut bestmöglich zu sichern. Die Fachberater unserer Polizeilichen Beratungsstelle, Polizeihauptkommissar Rolf Kasper und Kriminalhauptkommissar Burkhard Röwer, stehen jedermann mit Rat und Information zur Seite.“


Fahrzeugdiebstähle deutlich unter Vorjahresniveau

Im Jahr 2016 wurden in den Landkreisen Bautzen und Görlitz einhundert Kraftfahrzeuge weniger gestohlen als noch im Vorjahr. Die Anzahl der tatsächlich entwendeten Fahrzeuge betrug insgesamt 409 (2015: 509, 2014: 497). Dazu waren 189 Fälle zu verzeichnen, bei denen ein Diebstahl im Stadium des Versuches scheiterte (2015: 271, 2014: 281). Die meisten Totalentwendungen geschahen in den Stadtgebieten von Görlitz und Zittau.

Bedeutende Komponenten bei der Aufklärung der grenzüberschreitenden Kfz-Kriminalität sind die gemeinsamen Fahndungsgruppen Bautzen und Neiße, die die Polizeidirektion Görlitz seit Jahren mit der Bundespolizeidirektion Pirna sowie mit der Wojewodschaftskommandantur der polnischen Polizei in Wroclaw betreibt.

Dabei liegt der Schwerpunkt der gemeinsamen Fahndungsgruppe Bautzen darauf, die überregionalen Verkehrswege in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zu überwachen und dabei gestohlene Autos, Lkw sowie Bau- oder landwirtschaftliche Maschinen zu stoppen. Häufig werden die Zivilfahnder dabei allerdings für die Polizeien anderer Bundesländer tätig, wenn durch Täterstellungen Straftaten in deren Zuständigkeitsbereich aufgeklärt werden.

Die gemeinsame Fahndungsgruppe Neiße wiederum ermittelt beiderseits der Neiße zu Täterstrukturen sowie Verstecken und Absatzmärkten gestohlener Güter. Dabei zahlt sich der intensive Austausch mit den polnischen Ermittlern in jahrelanger Tätigkeit aus. Der Schlüssel des Erfolges liegt in der Kompetenz, sich sowohl in deutscher, als auch in polnischer Sprache verständigen zu können und über wichtige Informationen beider Dienststellen zu verfügen. 


Straftaten im Zusammenhang mit dem Thema „Zuwanderung“

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst unter dem Begriff des Zugewanderten auch international oder national Schutz- oder Asylberechtige, geduldete Personen sowie Kontingentflüchtlinge.

Im Jahr 2016 wurden der Polizei in den Landkreisen Bautzen und Görlitz insgesamt 1.364 Fälle bekannt, die von diesem Personenkreis begangen wurden (2015: 1.222 Fälle, 2014: 571 Fälle). Im Vergleich zum Vorjahr stellt dieses eine Zunahme um etwa zwölf Prozent dar und ist teilweise auch auf die insgesamt gestiegene Anzahl von Zugewanderten in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zurückzuführen. Diese Fallzahl beinhaltet allerdings auch Feststellungen der Bundespolizei zu Verstößen gegen das Asyl-, Aufenthalts- und Freizügigkeitsgesetz (AAFG).

Wie oben bereits ausgeführt - und hier der Vollständigkeit halber wieder erwähnt - waren 875 Tatverdächtige Zugewanderte, die den Status eines Asylbewerbers, Schutz- oder Asylberechtigten, einer geduldeten Person oder eines Kontingentflüchtlings innehatten (2015: 650 Tatverdächtige, 2014: 323 Tatverdächtige). Unter ihnen befanden sich insgesamt 63 sogenannte „Mehrfach- und Intensivtäter Asyl“ (MITA).

Die überwiegende Mehrzahl der polizeilich bekannt gewordenen Fälle im Zusammenhang mit Zugewanderten betraf Eigentumsdelikte, insbesondere Ladendiebstähle (2016: 245 Fälle, 2015: 381 Fälle, 2014: 143 Fälle), Sachbeschädigungen (2016: 93 Fälle, 2015: 78 Fälle, 2014: 37 Fälle) sowie Körperverletzungsdelikte (2016: 335 Fälle, 2015: 176 Fälle, 2014: 96 Fälle). Letztere geschahen zumeist zwischen Asylsuchenden innerhalb ihrer Unterkünfte.


Ermittlungen zu den Ereignissen auf dem Kornmarkt in Bautzen

Im Besonderen liegt das Augenmerk der Polizeidirektion Görlitz unverändert auf der Aufarbeitung der Geschehnisse und Auseinandersetzungen des vergangenen Herbstes rund um den Kornmarkt in Bautzen. Die Ermittlungsgruppe PLATTE der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz hat bis dato in etwa 160 Fällen strafrechtliche Ermittlungen zu Sachverhalten geführt, die der Polizei seit dem 1. Mai 2016 bekannt geworden sind. Etwa 80 dieser Verfahren sind bereits abgeschlossen und wurden an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Entscheidung abgegeben. In der anderen Hälfte der Fälle dauern die Ermittlungen unverändert an. Erst nach Abschluss aller Verfahren wird eine belastbare Bewertung der Vorgänge vor Ort möglich sein.

Die Polizei wird weiterhin insbesondere in den Abendstunden mit Kräften des Einsatzzuges der Polizeidirektion oder der Bereitschaftspolizei am Kornmarkt in Bautzen präsent sein. Zusätzlich kommen auch Zivilkräfte der Kriminalpolizei und des Operativen Abwehrzentrums der sächsischen Polizei zum Einsatz.

Die Problemstellung ist insgesamt jedoch vielschichtiger zu betrachten. Aus diesem Grund werden die dargestellten Maßnahmen durch ein breit gefächertes Maßnahmenpaket im Umfeld begleitet. Dazu gehören insbesondere ein direkter Informationsaustausch und die enge Zusammenarbeit mit den kommunalen Einrichtungen und sächsischen Sicherheitsbehörden. Hierbei ist in besonderem Maße auf die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Bautzen zu verweisen, die sich beispielsweise durch gemeinsame Streifen des Ordnungsamtes mit den Bürgerpolizisten der Polizei beteiligt. Auch ist der Einsatz der Wachpolizei an verschiedenen Orten zu erwähnen, die neben dem Informationsaustausch mit den Betreibern der Asylunterkünfte vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl bei den Asylsuchenden, aber auch bei der Bevölkerung erhöhen.

All diese Maßnahmen werden bis auf Weiteres unverändert fortgeführt und die Lageentwicklung intensiv beobachtet.

 

Hintergrundinformation

Die statistischen Daten entstammen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die die Polizeien der Länder und des Bundes nach einheitlichen Parametern erheben. Die PKS ist eine sogenannte Ausgangsstatistik, die die Fallzahlen aller im Berichtszeitraum abgeschlossenen Ermittlungsverfahren mit Tatort in der Bundesrepublik Deutschland beschreibt. Dabei werden Verkehrsstraftaten, beispielsweise Trunkenheitsfahrten oder Gefährdung des Straßenverkehrs, sowie Staatsschutzdelikte wie das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole nicht von der PKS erfasst. Aus den statistischen Daten können auch für regionale Bereiche nach einer Analyse und Interpretation Entwicklungen der Kriminalität und Trends abgelesen werden. (tk)


Bildmaterial zur Medieninformation:

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Deckblatt PKS 2016 PD Görlitz

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Folie 2 - Entwicklung Kriminalität

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Folie 3 - Aufteilung nach Landkreisen

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Folie 4 - Fallzahlen nach Revierbereichen

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Folie 5 - Häufigkeitsziffern

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Folie 6 - aufgeklärte Straftaten

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Folie 7 - Ermittelte Tatverdächtige

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Folie 8 - Straftatenobergruppen gesamt

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Folie 9 - Kfz-Diebstähle

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Folie 10 - Kfz-Diebstähle

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Folie 11 - Fahrraddiebstähle

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Folie 12 - Kriminalität an den Grenzen

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Folie 13 - Diebstahl tschechische Grenze

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Folie 14 - Diebstahl polnische Grenze

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