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Situation auf der Bundesautobahn 4

Verantwortlich: Thomas Bretschneider (tb)
Stand: 20.10.2017, 09:00 Uhr

 

Situation auf der Bundesautobahn 4

BAB 4, Görlitz - Dresden, Dresden - Görlitz

In den vergangenen Wochen ist die BAB 4 immer wieder im Fokus der medialen Berichterstattung gewesen. Asphalt-Probleme beim Straßenbau, kilometerlange Staus im Baustellenbereich, liegengebliebene Lastwagen und zahlreiche Verkehrsunfälle. All das kostete sicherlich so manchen Kraftfahrer einiges an Nerven. Doch sowohl für die Baustellenarbeiter als auch für die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes, der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerkes und der Polizei stellen die aktuellen Umstände auf der Autobahn eine große Herausforderung dar.

Die Polizeidirektion Görlitz hat im vergangenen sowie im laufenden Jahr eine Vielzahl von Verkehrsüberwachungsmaßnahmen, insbesondere auch im Hinblick auf den Schwerlastverkehr durchgeführt. Die örtliche Zuständigkeit auf der BAB 4 erstreckt sich dabei knapp 90 Kilometer von der Anschlussstelle Hermsdorf  bis zur polnischen Staatsgrenze. Doch wie sieht die Verkehrssituation auf der Autobahn eigentlich überhaupt aus?

Im vergangenen Jahr 2016 haben sich auf der Autobahn 4 im Bereich der Polizeidirektion Görlitz 637 Verkehrsunfälle ereignet, wovon bei 74 auch Personen zu Schaden kamen. Im Vergleich dazu kam es im ersten Halbjahr 2017 zu 303 Unfällen, wobei sich bei 48 davon Menschen verletzten. Der Schwerlastverkehr (Busse, Lkw über 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht mit oder ohne Anhänger sowie Sattelzüge) spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Im vergangenen Jahr haben sich rund 33 Prozent der Unfälle (213) unter Beteiligung des Schwerlastverkehrs ereignet. Davon waren die Bus- und Brummifahrer zu knapp 72 Prozent (153 Unfälle) als Unfallverursacher erfasst. Ähnlich sieht es im ersten Halbjahr des Jahres 2017 aus. Bei den 303 Unfällen war der Schwerlastverkehr zu 32 Prozent (98 Unfälle) beteiligt. Davon waren ebenfalls bei knapp drei Vierteln die schwereren Gefährte  unfallursächlich.

Als Hauptunfallursachen sind vor allem zu geringer Sicherheitsabstand, unangepasste Geschwindigkeit, Fehler bei Überholmanövern aber auch der technische Zustand der Fahrzeuge hervorzuheben. An Stauenden und in Baustellenbereichen kommen meist noch eine mangelhafte Aufmerksamkeit oder liegengebliebene Fahrzeuge dazu. Weiterhin entstehen gelegentlich brenzlige Situationen im Bereich der Park- und Rastplätze. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens haben die vorhandenen Stellplätze oft nicht ausreichend Kapazität, um sämtlichen Fahrzeugführern einen entsprechend freien Raum zu bieten. Dadurch kann es zu Rückstau und einer gefährlichen „Hindernisbildung“ auf dem Standstreifen kommen.

Die Polizeidirektion Görlitz führt daher regelmäßig Kontroll- sowie Verkehrsüberwachungsmaßnahmen durch, um solche Schwerpunkte auszumachen, Gefahrenquellen zu minimieren und dadurch negative Auswirkungen auf den täglichen Verkehr und darüber hinaus auf soziale Bereiche und die Wirtschaft abzuwenden.

Im Jahr 2016 haben Polizeibeamte hinsichtlich der Überwachung des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs insgesamt 6.654 Fahrzeuge kontrolliert. Dabei hatten sie bei über einem Drittel Grund für Beanstandungen. Im laufenden Jahr hat die Polizei bis einschließlich September 4.512 Fahrzeuge überprüft, auch hier mussten die Ordnungshüter über ein Drittel der Gefährte bemängeln.

Dabei finden die Kontrollen nicht nur aus dem Funkstreifenwagen heraus, sondern auch aus erhöhter Sitzposition in Bussen oder der Luft statt. Der Polizeihubschrauber kam 2016 an acht Tagen unterstützend zum Einsatz. Die Piloten nutzten dabei ihren Blick von oben, um überwiegend Verstöße gegen den Mindestsicherheitsabstand sowie während der Überholvorgänge zu entdecken. Insgesamt leiteten die Beamten in diesem Zusammenhang 69 Ordnungswidrigkeitenverfahren ein oder erhoben Verwarngelder. Auch 2017 war das „fliegende Auge“ bisher sechs Mal im Einsatz. Im Ergebnis eröffneten die Ordnungshüter  bis dato 64 Verfahren oder sprachen Verwarngelder aus.

An ebenfalls acht Tagen im Jahr 2016 überwachten Polizisten mit angemieteten Kraftomnibussen den Verkehr. So konnten sie besondere Einblicke quasi „auf Augenhöhe“ mit den Bus- und Lkw-Fahrern erlangen. Die Beamten kontrollierten so 82 Fahrzeuge und ihre Lenker, wobei sie 41 ordnungswidrige Verstöße feststellten und 20 Mal den Verwarngeldblock zücken mussten. Dabei hatten die Kraftfahrer vor allem ihre Sicherheitsgurte nicht angelegt, während der Fahrt telefoniert oder sich mit anderen, ablenkenden Tätigkeiten beschäftigt. Der große Teil der Bus- und Lkw-Lenker konzentrierte sich jedoch auf den Straßenverkehr, so die Beobachtung. 2017 kam der zivile Bus bereits sieben Mal zum Einsatz. Hier stellten die Beamten 43 Verstöße fest.

Um die Sicherheit auf der Autobahn zu gewährleisten, setzt die Polizeidirektion Görlitz auf weitere, vielfältige Überwachungsmaßnahmen. Neben permanenten Kontrollen zur Einhaltung der Verkehrsregeln, erfolgen mithilfe der sogenannten Lichtschranke oder zivilen Video-Messwagen zahlreiche Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen. Auch die Überprüfung der Lenk- und Ruhezeiten sowie das Aufdecken eventueller Manipulationen am Fahrtenschreiber stehen dabei im Fokus der Beamten. Bei technischen Kontrollen, bei denen die Polizisten vor allem ein besonderes Augenmerk auf den Zustand der Reifen und Bremsen sowie die Ladungssicherung legen, werden häufig auch die speziell ausgebildeten Lkw-Kontrollgruppen eingesetzt.

Auch wenn sich die aktuelle Baustellensituation um Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla bald verbessern wird, ist damit aufgrund des tagtäglichen Verkehrsaufkommens die Gefahr von Unfällen und Staus auf der A4 nicht gebannt. Die grundsätzlichen Ursachen bleiben bestehen. Daher wird die Polizeidirektion Görlitz, unter der Führung der Verkehrspolizeiinspektion, die verschiedenen Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen weiterhin aufrechterhalten und intensivieren.

Die Verkehrsüberwachung stellt nach wie vor einen strategischen Schwerpunkt der Arbeit der Polizeidirektion Görlitz dar. (tb)


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