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Psychologie im Straßenverkehr

Runter vom Gas

Die Wirkung der Schock-Plakate zum Motto "Runter vom Gas!" entlang der Bundesautobahnen wurde zum aktuellen Stammtisch im März analysiert.
Runter vom Gas

Die Wirkung der Schock-Plakate zum Motto "Runter vom Gas!" entlang der Bundesautobahnen wurde zum aktuellen Stammtisch im März analysiert.

Fahren wir entlang der Bundesautobahn, werden unsere Augen regelmäßig von den Motiven großer Plakate angezogen. Motive mit dargestellten Momenten, die uns suggerieren sollen, wie uns in alltäglichen Momenten die Nachricht über den tödlichen Verkehrsunfall eines nahen Angehörigen aus Bahn werfen können, gepaart mit der so simplen wie konkreten Botschaft: „Runter vom Gas!“.

Aber wirken die Plakate tatsächlich? Fahren wir wirklich langsamer? Retten die Plakate Menschenleben? Prof. Dr. Maria-Theresia Brauer ist genau diesen Fragen auf den Grund gegangen und hat ihre Evaluation den 44 Interessierten des Fernfahrerstammtisches am 6. März präsentiert.
 

Zeitgleich gegenübergestellt hat sie eine australische Kampagne, welche den Verkehrsteilnehmer mit der positiven Botschaft „Slow Down And Enjoy the Ride.“ einen gegensätzlichen Ansatz zu den eher schockierenden Motiven der deutschen Plakate gewählt hat. Die Probanden wurden in drei Gruppen aufgeteilt und bekamen differenzierte Kampagnen bzw. Placebos gezeigt. Im Fahrsimulator wurde im Anschluss die mögliche Verhaltensänderung ermittelt.

Im Ergebnis stellte Frau Brauer fest, dass beide Kampagnen bei den Probanden zu einer Reduzierung der gefahrenen Geschwindigkeiten führten, im Gegensatz zur Gruppe mit der Placebowerbung. Jedoch stellte sie mit ihren Fragen im Anschluss fest, dass es schwierig ist, soziale Normen aufzubrechen. Das Verständnis, dass es auch langsamer gut vorangehen kann, wird selten auf sich selbst projeziert. Auch fühlten sich die Probanden von den Botschaften der Plakate selten persönlich angesprochen. Sie entwickelten für die dargestellten Gefahren ein nicht ausreichend geschärftes Problembewusstsein. Gerade die Zielgruppe der jungen Fahrer hält sich für besonders wenig verwundbar.

Schockwerbung hat den Nachteil, bei einigen Fahrern zu defensiven Reaktionen wie Verleugnung, Vermeidung und Reaktanz zu führen. Als Empfehlung sprach Prof. Dr. Brauer dem DVR aus, eine persönliche Ansprache an den einzelnen Kraftfahrer zu finden. Ferner sollten die Plakate an den Stellen platziert werden, wo eine Senkung der Geschwindigkeit lokal erwartet wird. Die Plakataktion kann nur ein kleiner Bestandteil zur Reduzierung der Hauptunfallursache Geschwindigkeit sein. Vor allem mehr Verkehrskontrollen mit der sofortigen Ahndung im Rahmen der polizeilichen Anhaltekontrollen bilden die Grundlage für eine Änderung im Fahrverhalten.

Der Vortrag selbst initiierte im Anschluss eine lebhafte Diskussion unter den Anwesenden, die zum Beispiel als Spediteur bereits heute Prämien für vorbildlichen Fahrstil an die Mitarbeiter überreichen und selbst ihren Fuhrpark auf 85 km/h drosseln, was Überholvorgänge auf der Autobahn grundsätzlich ausschließt. Ein weiteres Argument, das viel Zustimmung erhielt, war die Forderung an den Gesetzgeber zur Verschärfung der Berufskraftfahrerqualifikation. Hier sollte das Modul der Verkehrssicherheit allein über ein praktisches Gefahren- und Sicherheitstraining absolviert werden dürfen. Die gelebte Praxis, aus Kosten- und Zeitgründen die Thematik theoretisch abzuhandeln, sei nicht ausreichend.


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