1. Navigation
  2. Inhalt
Inhalt

Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 | Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Medieninformation: 171/2022
Verantwortlich: Thomas Geithner
Stand: 24.03.2022, 11:44 Uhr

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Polizeiliche Kriminalstatistik

Eckpunkte der Kriminalitätsentwicklung

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden 2021 insgesamt 10.001 Straftaten (2020: 10.728) erfasst. Das sind 727 Fälle weniger als im Vorjahr und entspricht einem Rückgang um 6,8 Prozent.

Polizeipräsident Jörg Kubiessa: „Die Polizeiliche Kriminalstatistik bietet im Regelfall keine Erklärungen für Entwicklungen in einzelnen Deliktsbereichen an. Somit sind Interpretationen von Anstiegen oder Rückgängen meist Mutmaßungen. Aber ein Rückgang der Gesamtkriminalität von 6,8 Prozent ist nicht echt und bildet die Wirklichkeit nicht ab. Schon gar nicht lässt sich daraus ein grundsätzlicher Trend ableiten. Vielmehr sehe ich einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Zahlen und der Corona-Pandemie. Durch die damit einhergehenden Beschränkungen des normalen Lebens verschlechterten sich insbesondere bei Delikten mit hohen Fallzahlen die Tatgelegenheiten. Der vermeintliche Rückgang wird uns nächstes Jahr wieder einholen.“

Die Häufigkeitszahl, die angibt wie viele Straftaten rechnerisch auf 100.000 Einwohner entfallen, sank 2021 auf 4.087 (2020: 4.368). Insgesamt 6.848 Straftaten (2020: 7.393) konnten aufgeklärt werden. Die Gesamtaufklärungsquote sank minimal auf 68,5 Prozent (2020: 68,9).

Von den 5.643 ermittelten Tatverdächtigen (2020: 5.958) waren 81,1 Prozent männlichen und 18,9 Prozent weiblichen Geschlechts. Es wurden dabei 267 Kinder (2020: 336), 554 Jugendliche (2020: 499) und 487 Heranwachsende (2020: 492) als Tatverdächtige ermittelt.

Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg von 2.109 im Jahr 2020 auf 2.194 im Jahr 2021. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen betrug somit 38,9 Prozent (2020: 35,4 Prozent).

Bei der allgemeinen Kriminalität ohne ausländerrechtliche Delikte wurden 2021 mit 8.709 Fällen (2020: 9.418) 7,5 Prozent weniger Straftaten registriert. Die Aufklärungsquote sank in diesem Bereich ebenfalls leicht auf 64,4 Prozent (2020: 65,0). Insgesamt wurden 4.417 Tatverdächtige ermittelt (2020: 4.826). Davon waren 982 Nichtdeutsche (2020: 987), deren Anteil trotz zahlenmäßigem Rückgang von 20,5 Prozent im Jahr 2020 auf 22,2 Prozent im Jahr 2021 anstieg. Als tatverdächtig erfasst wurden 221 Kinder (2020: 226), 412 Jugendliche (2020: 465) und 331 Heranwachsende (2020: 465).

Die Zahl der Opfer von Straftaten blieb mit 1587 unter der Zahl der Vorjahre (2020: 1.678), das sind 5,4 Prozent weniger als 2020. Insgesamt 888 Opfer (56,0 Prozent) waren männlichen und 699 Opfer (44,0 Prozent) weiblichen Geschlechts. Unter den Opfern waren 208 Kinder (2020: 188), 138 Jugendliche (2020: 141) und 104 Heranwachsende (2020: 125). 143 Opfer (2020: 152) einer Straftat waren 60 Jahre oder älter. Insgesamt wurden 1.137 Erwachsene als Opfer registriert.

Der durch Kriminalität registrierte finanzielle Schaden betrug rund 6,5 Millionen Euro (2020: 13,8 Millionen Euro; 2019: 11,3 Millionen Euro).

Ausgewählte Kriminalitätsbereiche

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Im Bereich der Sexualdelikte gab es in den vergangenen zehn Jahren tendenziell einen Anstieg zu verzeichnen. Wobei die Veränderungen innerhalb des Strafrechts gerade in diesem Bereich einen Vergleich der Fallzahlen kaum zulassen und Steigerungen teilweise implizieren.

Auffällig ist jedoch, dass seit dem Jahr 2019 Anzeigen im Bereich der Verbreitung von Pornografie deutlich angestiegen sind. Lagen hier die Fallzahlen bis 2017 noch unter 30 Fällen pro Jahr und bis 2019 immer noch unter 50 Fällen pro Jahr, so waren 2020 bereits 71 Fälle registriert. Dies war zum damaligen Zeitpunkt ein Anstieg um 51,1 Prozent. 2021 erhöhte sich die Zahl auf 141 Fälle, was einem Anstieg von 98,6 Prozent entspricht.

Jörg Kubiessa: „Wie in gesamten Bundesgebiet stellen auch wir einen sehr starken Anstieg im Bereich der Verbreitung von Kinderpornografie fest. Ursache sind die gestiegenen Meldungen von Verdachtsfällen durch ausländische Behörden und Organisationen, die im Bundeskriminalamt eingehen und anschließend an die örtlich zuständigen Dienststellen zur Bearbeitung übergeben werden. Ich bewerte diese Zunahme an Meldungen positiv, weil sie Kriminalität aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld überführen. Den damit einhergehenden erhöhten Ermittlungsaufwand versuchen wir durch Bündelung von Durchsuchungen und Sicherstellungen zu begegnen. Vergangene Woche haben wir den inzwischen fünften konzentrierten Einsatz zur Bekämpfung von Kinderpornografie durchgeführt, wobei die Abstände sich immer weiter verringern.“ 

Im Bereich der Kinderpornografie stieg die Fallzahl von 37 im Jahr 2019 auf 49 im Jahr 2020 und auf 113 im Jahr 2021. Dies entspricht im Vergleich zu 2019 einem Anstieg um 205,4 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 130,6 Prozent. 106 dieser Fälle konnten aufgeklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 93,8 Prozent entspricht. Die Schwerpunkte liegen dabei im Besitz bzw. sich Verschaffen und in der Verbreitung von Kinderpornografie. Bei den 115 ermittelten Tatverdächtigen des Jahres 2021 handelt es sich bei der überwiegenden Zahl um Erwachsene (67). Weiterhin wurden Jugendliche (26), Heranwachsende (11) und Kinder (11) als Tatverdächtige bekannt gemacht. Die Aufklärung solcher Straftaten bedarf oft jahrelanger und intensiver Ermittlungen.

Gewaltkriminalität

Die Zahl der Gewaltstraftaten sank auf 204 Fälle (2020: 225). Bei einer Aufklärungsquote von 85,8 Prozent sind 216 Tatverdächtige (2020: 254) ermittelt worden. Davon waren 39 Tatverdächtige nichtdeutsch (2020: 46), was einem Anteil von 18,1 Prozent (2020: 18,1) entspricht.

152 Fälle aller registrierten Gewaltdelikte waren gefährliche und schwere Körperverletzungen (2020: 176). Bei weiteren 37 Fällen handelte es sich um Raubstraftaten (2020: 38) und es wurden erneut zwei Mord- und Totschlagdelikte (2020: 2) registriert, wobei es sich in einem Fall um eine versuchte Straftat handelt.

Eigentumskriminalität

Die Gesamtheit aller Diebstahlsdelikte macht knapp den Hauptteil der Gesamtkriminalität aus, ihr Anteil beträgt 24,2 Prozent (2019: 24,3). Dieser Teil der Kriminalität liegt 0,8 Prozentpunkte vor den sonstigen Straftatbeständen des Strafgesetzbuches, zu denen Erpressung, Beleidigung und Sachbeschädigung zählen. Die Fallzahlen beim Diebstahl sanken auf 2.420 Fälle (2020: 2.604). Die Anzahl der aufgeklärten Fälle sank von 982 im Jahr 2020 auf 866 im Jahr 2021. Damit einhergehend sank auch die Aufklärungsquote um 1,9 Prozentpunkte auf 35,8 Prozent.

Die Diebstähle setzen sich zusammen aus 1.141 Fällen des Diebstahls ohne erschwerende Umstände (2020: 1.317) und 1.279 Fällen des Diebstahls unter erschwerenden Umständen (2020: 1.287). Dies entspricht prozentualen Rückgängen von 13,4 bzw. 0,6 Prozent.

Schwerpunkte im Bereich der Diebstahlskriminalität sind wie auch im Vorjahr Diebstähle in/aus Geschäften oder Kiosken mit 412 Fällen (2020: 489), Diebstähle von Fahrrädern mit 307 Fällen (2020: 293) und Diebstähle an/aus Kraftfahrzeugen mit 254 Fällen (2020: 270).

Bei den Diebstählen von Kraftfahrzeugen, einschließlich der unbefugten Benutzung, blieben die Fälle gegenüber dem Vorjahr fast gleich bei 54 Fällen (2020: 53). Die Zahl der aufgeklärten Fälle sank um 9 auf 19 Fälle, was einer Aufklärungsquote von 35,2 Prozent (2020: 52,8) entspricht. Von den 25 ermittelten Tatverdächtigen waren 10 Nichtdeutsche, was einem Anteil von 40,0 Prozent entspricht. Von den nichtdeutschen Tatverdächtigen kamen 6 aus Polen, 3 aus der Tschechischen Republik und einer aus der Republik Moldau.

Im Bereich des Ladendiebstahls sank die Anzahl der Fälle gegenüber dem Jahr 2020 um 16,4 Prozent auf 315 Fälle (2020: 377). Die Aufklärungsquote lag mit 82,5 Prozent 6,1 Prozentpunkte unter der des Vorjahres mit 88,6 Prozent. Insgesamt wurden 264 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen in diesem Bereich lag bei 30,3 Prozent.
 
Diebstähle in/aus Büros, Lagern und Werkstätten sanken im Jahr 2021 von 203 Fällen im Vorjahr auf 149 Fälle und damit um 26,6 Prozent. Die Aufklärungsquote betrug in diesem Deliktfeld 37,6 Prozent (2020: 29,6).

Die Zahl der Diebstähle in/aus Wohnungen fiel im Jahr 2021 um 28 auf 168 Fälle. Dabei handelt es sich in 84 Fällen um Diebstähle ohne erschwerende Umstände (2020: 90), bei denen die Täter entweder zugangsberechtigt waren oder ungehindert in die Wohnung gelangen konnten. In weiteren 84 Fällen handelt es sich um Wohnungseinbrüche (2020: 106), bei denen die Täter ein Hindernis zu überwinden hatten. In 33 dieser Fälle fand die Tat zwischen 06:00 Uhr und 21:00 Uhr statt, bei denen man von Tageswohnungseinbrüchen spricht. Insgesamt lag die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich bei 41,1 Prozent (2020: 50,5).

Rauschgiftkriminalität

Im Jahr 2021 stiegen die Fallzahlen im Bereich Rauschgiftkriminalität auf 561 Fälle (2020: 497). In 6 Fällen handelte es sich um sogenannte direkte Beschaffungskriminalität, über das Ausmaß der indirekten Beschaffungskriminalität liefert die Polizeiliche Kriminalstatistik keine exakten Angaben.

Jörg Kubiessa: „Nach einem auffälligen Rückgang um 41 Prozent im Vorjahr, verzeichnen wir nun wieder ein Anstieg. Ich führe diesen insbesondere auf die erhöhte Polizeipräsenz im Landkreis zurück. Denn oft waren Rauschgiftfeststellungen ein Beifang unserer pandemiebedingten Kontrolleinsätze. Rauschgiftdelikte sind klassische Kontrolldelikte.“

Die Aufklärungsquote betrug 96,6 Prozent (2020: 96,8). Die Polizei ermittelte 514 Tatverdächtige (2020: 455). Dabei stehen 445 männlichen Tatverdächtigen 69 weibliche Tatverdächtige gegenüber. Der Anteil von nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 20,8 Prozent (2020: 15,8).

Die Zahl der allgemeinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz blieb mit 413 Fällen (2020: 416) annähernd gleich. Die Fallzahlen beim unerlaubten Handel mit oder Schmuggel von Betäubungsmitteln stieg auf 96 Fälle (2020: 49), was nahezu einer Verdopplung entspricht. Der Anstieg betrug 95,9 Prozent.

Insgesamt wurden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 62 allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mittels Crystal (2020: 77) und 12 Fälle des Handels oder Schmuggels mit Crystal (2020: 8) festgestellt. Die Zahl der allgemeinen Verstöße mittels Cannabis und dessen Zubereitungen blieb mit 289 Fällen auf dem Vorjahresniveau (2020: 290).

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden durch die Polizeidirektion Dresden ca. 6,7 Kilogramm Marihuana, 515 Gramm Crystal, 185 Gramm Haschisch und 32 Stück Ecstasy sichergestellt. Bei Kokain, Drogenersatzstoff, Amphetamin und anderem lagen die Sicherstellungsmengen unter 100 Gramm.

Im Jahr 2021 wurde kein Drogentoter registriert (2020: 0).

Wirtschaftskriminalität

Die Wirtschaftskriminalität fiel auf 59 Delikte (2020: 137), was einem Rückgang um 56,9 Prozent entspricht. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich betrug 96,6 Prozent (2020: 100,0). 49 Tatverdächtige wurden ermittelt.

Der festgestellte finanzielle Schaden betrug rund 6,5 Millionen Euro (2020: 9,9 Millionen Euro). Allein rund 1,5 Millionen Euro Schaden wurden durch Insolvenzverschleppung auf dem Wirtschaftssektor verursacht, wofür 20 Tatverdächtige verantwortlich sind.

Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität sank weiter auf 1.440 Fälle (2020: 1.610), was einem Rückgang von 10,6 Prozent entspricht. Insgesamt wurden 419 Tatverdächtige ermittelt (2020: 413). Die Aufklärungsquote stieg in diesem Bereich leicht auf 25,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2020: 24,1). Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen lag hier bei 17,4 Prozent (2020: 19,4), dies entspricht 73 nichtdeutschen Tatverdächtigen (2020: 80).

Massenkriminalität

Die Anzahl der Sachbeschädigungen sank um 122 auf 1.196 Fälle (2020: 1.318), dies entspricht einem Rückgang um 9,3 Prozent auf den niedrigsten Stand während der vergangenen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote stieg um 2,7 Prozentpunkte auf 28,0 Prozent (2020: 25,3). Bei 274 Fällen handelt es sich um Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (2020: 297), bei weiteren 283 Fällen um Graffiti (2020: 390).

Straftaten nach Infektionsschutzgesetz

Im Verlauf des Jahres 2020 wurden 159 Fälle von Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz erfasst, die offenbar in direktem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen. Alle dieser Fälle wurden aufgeklärt und es wurden insgesamt 267 Tatverdächtige ermittelt. Im Jahr 2021 wurden 3 Verstöße in der Polizeilichen Kriminalstatistik nach deren Abschluss erfasst. Diese wurden von einem Heranwachsenden und zwei Erwachsenen begangen und auch zu 100,0 Prozent aufgeklärt. (tg)
 
 

 



 

 


Marginalspalte

Stabsstelle Kommunikation

  • Besucheradresse:
    Polizeidirektion Dresden
    Schießgasse 7
    01067 Dresden
  • Telefon:
    +49 351 483-2400
  • Telefax:
    +49 351 451083-2334

Ansprechpartner

Thomas Geithner (tg)
Marko Laske (ml)
Stefan Grohme (sg)
Lukas Reumund (lr)
Rocco Reichel (rr)
Uwe Hofmann (uh)

Zeugentelefon

  • Öffnungs- oder Sprechzeiten:
    Das Zeugentelefon ist rund um die Uhr erreichbar.
  • Telefon:
    +49 351 483-2233