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Polizeiliche Kriminalstatistik 2020 | Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Medieninformation: 152/2021
Verantwortlich: Thomas Geithner
Stand: 12.03.2021, 10:31 Uhr

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Polizeiliche Kriminalstatistik 2020

Polizeipräsident Jörg Kubiessa: „Innerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Polizeidirektion Dresden waren die Auswirkungen der Pandemie in Bezug auf die Kriminalitätsentwicklung für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am geringsten. Einige Besonderheiten gab es dennoch. So kommen Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz erstmals in der Statistik vor. Gleichzeitig verringerten sich durch die mit den Grenzkontrollen einhergehende erhöhte Präsenz der Polizei im Grenzbereich die Tatgelegenheiten für den Handel mit Betäubungsmitteln."

Eckpunkte der Kriminalitätsentwicklung

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden 2020 insgesamt 10.728 Straftaten (2019: 10.967) erfasst. Das sind 239 Fälle weniger als im Vorjahr und entspricht einer Abnahme um 2,2 Prozent.

Die Häufigkeitszahl, die angibt wie viele Straftaten rechnerisch auf 100.000 Einwohner entfallen, sank 2020 auf 4.368 (2019: 4.465).

Insgesamt 7.393 Straftaten (2019: 7.424) konnten aufgeklärt werden. Die Gesamtaufklärungsquote stieg leicht auf 68,9 Prozent (2019: 67,7 Prozent).

Von den 5.958 ermittelten Tatverdächtigen (2019: 6.163) waren 78,5 Prozent männlichen und 21,5 Prozent weiblichen Geschlechts. Es wurden dabei 336 Kinder (2019: 307), 499 Jugendliche (2019: 575) und 492 Heranwachsende (2019: 494) als Tatverdächtige ermittelt.

Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen sank von 2.397 im Jahr 2019 auf 2.109 im Jahr 2020. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen betrug somit 35,4 Prozent (2019: 38,9 Prozent).

Auch bei der allgemeinen Kriminalität ohne ausländerrechtliche Delikte wurden 2020 mit 9.418 Fällen (2019: 9.475) 0,6 Prozent weniger Straftaten registriert. Die Aufklärungsquote stieg in diesem Bereich auf 65,0 Prozent (2019: 62,8 Prozent). Insgesamt wurden 4.826 Tatverdächtige ermittelt (2019: 4.821). Davon waren 987 Nichtdeutsche (2019: 1.063), deren Anteil damit von 22,0 Prozent im Jahr 2019 auf 20,5 Prozent im Jahr 2020 absank. Als tatverdächtig erfasst wurden 226 Kinder (2019: 230), 465 Jugendliche (2019: 522) und 465 Heranwachsende (2019: 436).

Die Zahl der Opfer von Straftaten blieb mit 1.678 unter der Zahl der Vorjahre (2019: 1.704), das sind 1,5 Prozent weniger als 2019. Insgesamt 975 Opfer (58,1 Prozent) waren männlichen und 703 Opfer (41,9 Prozent) weiblichen Geschlechts. Unter den Opfern waren 188 Kinder (2019: 202), 141 Jugendliche (2019: 142) und 125 Heranwachsende (2019: 134). 152 Opfer (2019: 142) einer Straftat waren 60 Jahre oder älter. Insgesamt wurden 1.224 Erwachsene als Opfer registriert.

Der durch Kriminalität registrierte finanzielle Schaden betrug rund 13,8 Millionen Euro (2019: 11,3 Millionen Euro).

Ausgewählte Deliktbereiche

Eigentumskriminalität

Lässt man das weite Feld der strafrechtlichen Nebengesetze, zu denen unter anderem auch sämtliche ausländerrechtliche Delikte zählen, außer Acht, so bilden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Gesamtheit aller Diebstahlsdelikte nur noch knapp den Hauptteil der Gesamtkriminalität, ihr Anteil beträgt 24,3 Prozent (2019: 26,1 Prozent). Damit liegt dieser Teil der Kriminalität nur noch 0,3 Prozentpunkte vor den sonstigen Straftatbeständen des Strafgesetzbuches, zu denen Erpressung, Beleidigung und Sachbeschädigung zählen. Die Fallzahlen beim Diebstahl sanken auf 2.604 Fälle (2019: 2.859 Fälle). Die Anzahl der aufgeklärten Fälle stieg von 901 im Jahr 2019 auf 982 im Jahr 2020. Damit stieg die Aufklärungsquote um 6,2 Prozentpunkte auf 37,7 Prozent.

Die Diebstähle setzen sich zusammen aus 1.317 Fällen des Diebstahls ohne erschwerende Umstände (2019: 1.436) und 1.287 Fällen des Diebstahls unter erschwerenden Umständen (2019: 1.423). Dies entspricht prozentualen Rückgängen von 8,3 bzw. 9,6 Prozent.

Schwerpunkte im Bereich der Diebstahlskriminalität sind wie auch im Vorjahr Diebstähle in/aus Geschäften oder Kiosken mit 489 Fällen (2019: 545 Fälle), Diebstähle von Fahrrädern mit 293 Fällen (2019: 376 Fälle) und Diebstähle an/aus Kraftfahrzeugen mit 270 Fällen (2019: 347 Fälle).

Bei den Diebstählen von Kraftfahrzeugen, einschließlich der unbefugten Benutzung, blieben die Fälle gegenüber dem Vorjahr fast gleich bei 53 Fällen (2019: 55 Fälle). Im Gegenzug stieg die Zahl der aufgeklärten Fälle um 5 auf 28 Fälle, was einer Aufklärungsquote von 52,8 Prozent (2019: 41,8 Prozent) entspricht.

Von den 35 ermittelten Tatverdächtigen waren 19 Nichtdeutsche, was einem Anteil von 54,3 Prozent entspricht. Von den nichtdeutschen Tatverdächtigen kamen zwölf aus Polen, fünf aus der Tschechischen Republik und je einer aus Afghanistan bzw. Rumänien.

Im Bereich des Ladendiebstahls sank die Anzahl der Fälle gegenüber dem Jahr 2019 um 9,2 Prozent auf 377 Fälle (2019: 415 Fälle). Die Aufklärungsquote lag mit 88,6 Prozent etwa einen Prozentpunkt über der des Vorjahres mit 87,5 Prozent. Insgesamt wurden 345 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen mit 101 in diesem Bereich lag bei 29,3 Prozent (2019: 31,6 Prozent).

Diebstähle in/aus Büros, Lagern und Werkstätten stiegen im Jahr 2020 von 185 Fällen im Vorjahr auf 203 Fälle und damit um 9,7 Prozent an. Die Aufklärungsquote betrug in diesem Deliktfeld 29,6 Prozent (2019: 22,2 Prozent).

Die Zahl der Diebstähle in/aus Wohnungen stieg im Jahr 2020 lediglich um 2 Fälle auf 196 Fälle. Dabei handelt es sich in 90 Fällen um Diebstähle ohne erschwerende Umstände (2019: 99 Fälle), bei denen die Täter entweder zugangsberechtigt waren oder ungehindert in die Wohnung gelangen konnten. In weiteren 106 Fällen handelt es sich um Wohnungseinbrüche (2019: 95), bei denen die Täter ein Hindernis zu überwinden hatten. In 43 dieser Fälle fand die Tat zwischen 06:00 Uhr und 21:00 Uhr statt, bei denen man von Tageswohnungseinbrüchen spricht. Insgesamt lag die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich bei 50,5 Prozent (2019: 51,0 Prozent).

Rauschgiftkriminalität

Im Jahr 2020 sanken die Fallzahlen im Bereich Rauschgiftkriminalität weiter auf 497 Fälle (2019: 581 Fälle). Zu berücksichtigen ist, dass das Ausmaß der Rauschgiftkriminalität maßgeblich vom polizeilichen Kontroll- und Feststellungsverhalten geprägt wird. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Rauschgiftdelikte. In nur 2 Fällen handelte es sich um sogenannte direkte Beschaffungskriminalität, über das Ausmaß der indirekten Beschaffungskriminalität liefert die Polizeiliche Kriminalstatistik keine exakten Angaben.

Die Aufklärungsquote betrug 96,8 Prozent (2019: 96,9 Prozent). Die Polizei ermittelte 455 Tatverdächtige (2019: 541). Dabei stehen 385 männlichen Tatverdächtigen 70 weibliche Tatverdächtige gegenüber. Der Anteil von nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 15,8 Prozent (2019: 16,8 Prozent).

Die Zahl der allgemeinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (so genannte Konsumentendelikte) sank auf 416 Fälle (2019: 446 Fälle). Die Fallzahlen beim unerlaubten Handel mit oder Schmuggel von Betäubungsmitteln sank auf 49 Fälle (2019: 83 Fälle).

Jörg Kubiessa: „Der Rückgang um 41 Prozent ist auffällig. Ich gehe davon aus, dass auch die mediale Berichterstattung der stärkeren Grenzkontrollen im Zusammenhang mit der Pandemie einen gewissen Abschreckungseffekt zur Folge hatte."

Insgesamt wurden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 77 allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mittels Crystal (2019: 71 Fälle) und 8 Fälle des Handels oder Schmuggels mit Crystal (2019: 12 Fälle) festgestellt. Die allgemeinen Verstöße mittels Cannabis und dessen Zubereitungen sanken um 31 auf 290 Fälle und damit um 9,7 Prozent (2018: 321 Fälle).

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden durch die Polizeidirektion Dresden ca. 3,9 Kilogramm Marihuana, rund 291Gramm Crystal, 174 Gramm Haschisch und 106 Stück Ecstasy sichergestellt Bei Kokain, Drogenersatzstoff, Amphetamin u.a. lagen die Sicherstellungsmengen unter 100 Gramm.

Im Jahr 2020 wurde kein Drogentoter registriert (2019: 1).

Gewaltkriminalität

Die Zahl der Gewaltstraftaten sank auf 225 Fälle (2019: 253 Fälle). Bei einer Aufklärungsquote von 87,6 Prozent sind 254 Tatverdächtige (2019: 286) ermittelt worden. Davon waren 46 Tatverdächtige nichtdeutsch (2019: 78), was einem Anteil von 18,1 Prozent (2019: 27,3 Prozent) entspricht.

176 Fälle aller registrierten Gewaltdelikte waren gefährliche und schwere Körperverletzungen (2019: 206). Bei weiteren 38 Fällen handelte es sich um Raubstraftaten (2019: 30 Fälle) und es wurden zwei Mord- und Totschlagdelikte (2019: 5 Fälle) registriert, wobei es sich in beiden Fällen um versuchte Straftaten handelt.

Wirtschaftskriminalität

Die Wirtschaftskriminalität stieg auf 137 Delikte (2019: 74 Fälle), was einem Anstieg um 85,1 Prozent entspricht. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich betrug 100,0 Prozent (2019: 98,6 Prozent). 87 Tatverdächtige wurden ermittelt.

Der festgestellte finanzielle Schaden betrug rund 9,9 Millionen Euro (2019: 6,8 Millionen Euro). Allein rund 9,0 Millionen Euro Schaden wurden durch Insolvenzverschleppung auf dem Wirtschaftssektor verursacht, wofür 39 Tatverdächtige verantwortlich sind.

Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität sank weiter auf 1.610 Fälle (2019: 1.719 Fälle), was einem Rückgang von 6,3 Prozent entspricht. Insgesamt wurden 413 Tatverdächtige ermittelt (2019: 533). Die Aufklärungsquote stieg in diesem Bereich leicht auf 24,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2019: 23,7 Prozent). Der Anteil der nichtdeutschen
Tatverdächtigen lag hier bei 19,4 Prozent (2019: 21,6 Prozent), dies entspricht 80 nichtdeutschen Tatverdächtigen (2019: 115).

Massenkriminalität

Die Anzahl der Sachbeschädigungen stieg um 22 auf 1.318 Fälle (2019: 1.296 Fälle), dies entspricht einem Anstieg um 1,7 Prozent. Die Aufklärungsquote sank um 5,6 Prozentpunkte auf 25,3 Prozent (2019: 30,9 Prozent). Bei 297 Fällen handelt es sich um Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (2019: 284 Fälle).

Jörg Kubiessa: „Einen deutlichen Anstieg von knapp 45 Prozent gibt es bei Sachbeschädigungen durch Graffiti. Besonders betroffen von der Entwicklung sind Freital, Pirna und Bad Schandau. Dieser Entwicklung können wir in erster Linie durch mehr Präsenz, unter Einbeziehung der sächsischen Bereitschaftspolizei, begegnen."

Bei 390 Sachbeschädigungen handelt es sich um Graffiti (2019: 271 Fälle). Die Aufklärungsquote stieg in diesem Bereich von 7,4 Prozent auf 11,8 Prozent.

Straftaten nach Infektionsschutzgesetz

Jörg Kubiessa: „Straftaten gegen das Infektionsschutzgesetz fanden erstmals in den vergangenen zehn Jahren Eingang in die Polizeiliche Kriminalstatistik. Im Verlauf des Jahres 2020 wurden 159 Fälle von Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz erfasst, die in direktem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen."

Alle dieser Fälle wurden aufgeklärt und es wurden insgesamt 267 Tatverdächtige ermittelt. Zu 73,4 Prozent gehörten diese Tatverdächtigen zur Gruppe der Erwachsenen und zu 25,5 Prozent zur Gruppe der Heranwachsenden und Jugendlichen. Zu einem überwiegenden Teil handelte es sich dabei um männliche
Tatverdächtige, ihr Anteil an der Gesamtzahl aller Tatverdächtigen beträgt 74,2 Prozent.

Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz fallen in der Polizeilichen Kriminalstatistik unter den Summenschlüssel der Umweltkriminalität. (tg)


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